Paolo Cognetti: Acht Berge

Im Himalaja wird Pietro die Legende von den acht Bergen erzählt. Sie handelt von Sumeru, dem höchsten Gipfel im Zentrum der Welt, der von acht Bergen und Meeren umgeben ist. Nun kann man im Leben entweder alle acht Berge bereisen oder den einen, den höchsten erklimmen. Fraglich ist, wo man mehr lernt.

Acht Berge ist ein feinsinniger Roman, der um die Frage nach dem richtigen Leben drei große Themen vereint – Freundschaft, Familie und Heimat. Pietro blickt als Ich-Erzähler auf den Beginn seiner Freundschaft zu Bruno: Als Kind kommt er mit seinen Eltern immer in den Sommermonaten in das kleine Bergdorf Grana, am Fuß des Monte Rosa Massivs in den Alpen. Zögernd freundet er sich mit Bruno an. Es ist von Anfang an eine Freundschaft, die mit wenigen Worten auskommt. Fortan erkunden sie jeden Sommer die umliegenden Wälder, klettern in alten Ruinen umher, die von besseren Zeiten des Ortes erzählen, und sie folgen dem Glitzern des nahe liegenden Bachs. Ihre Freundschaft wird sich zeitlebens festigen und immer in Grana ihren Platz haben.

Mit den Jahren und dem Auswachsen aus den Kinderschuhen steigen die Jungen immer höher hinauf und ihre Beziehung zum Gebirge nimmt unterschiedliche Gestalt an. Bruno hilft seinem Onkel auf der Alm. Pietros Vater begeistert seinen Sohn, ihm auf die Gipfel des Monte Rosa Massivs zu folgen. Gefühlvoll und zurückhaltend beschreibt Pietro die Beziehung zu seinem Vater Giovanni. Neben der körperlichen Herausforderung an Pietro, mit ihm Schritt zu halten, entdeckt er an dessen Seite mit jedem Höhenmeter eine neue, faszinierende Welt: versteckte Bergseen, hohe Felswände, Geröllfelder und tiefe Gletscherspalten. In den Naturbeschreibungen entfaltet der Roman seine gesamte erzählerische Kraft. Pietro kommt seinem Vater näher und lernt dessen emotionale Seite kennen, wenn auch nur in wenigen, kaum greifbaren Augenblicken. Giovanni ist rastlos, eine alte Trauer treibt ihn an und er hat immer nur einen kurzen Sommer, um seine Sehnsucht nach den Bergen zu stillen.

Das dritte, zentrale, Thema des Romans ist die Suche nach unseren Wurzeln. Kaum jemand kann sich heute noch vorstellen, sein Dasein ausschließlich auf den Ort der Geburt zu beschränken. Wir reisen, leben hektisch. Doch am Ende suchen wir nach dem Ort unserer Herkunft, nach dem Steten und Vertrauten. So stellt sich auch Pietro nach Jahren die Frage, was besser ist – Gehen oder Bleiben. Beide Freunde finden Zuversicht und Kraft in den Bergen. Doch während Pietro immer wieder nach Grana zurückkehrt um aufzutanken und nach Erinnerungen zu suchen, geht Bruno nie weg. Er folgt von Anfang an seiner Bestimmung und ringt beharrlich darum, als Bergbauer auch gegen die harten Facetten des Gebirgslebens zu bestehen.

Wenn der Punkt, an dem man in einen Fluss eintaucht, die Gegenwart ist, so dachte ich mir, ist die Vergangenheit das Wasser, das einen überholt hat und in die Tiefe fließt, wo einen nichts mehr erwartet. […] Was auch immer das Schicksal für uns bereit hält – es kommt von den Bergen, die über uns emporragen.“

Gehen oder Bleiben? Die Antwort kommt leise, mit allem Respekt für die Kraft der Natur und für wahre, unerschütterliche Freundschaft.

ISBN: 978-3-421-04778-6
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