Yuval Noah Harari: Eine kurze Geschichte der Menscheit

Kennen Sie das aktuelle Intro zur Sendung Terra X? Das, bei dem so klar sichtbar gemacht ist, wie sich die Welt im großen Zeitkreislauf immer wieder verändert? Wenn man sich von Yuval Noah Harari durch 100.000 Jahre Menschheitsgeschichte führen lässt, macht man eine ähnliche Zeitreise. Für mich war es unheimlich spannend, dem Gedanken nachzuhängen, warum gerade wir, ein recht unscheinbares Tier aus Afrika, uns zu einer Plage für den Planeten entwickeln konnten. Warum haben gerade wir, und nicht etwa die uns so ähnlichen Schimpansen, es geschafft, an die Spitze der Nahrungskette zu gelangen?

Harari setzt in Eine kurze Geschichte der Menschheit zunächst den Fokus auf den feinen Unterschied, der uns auf den Weg gebracht hat. Er entwickelt nachvollziehbare Theorien zu wesentlichen Entwicklungsschritten des Homo Sapiens.

„Die landwirtschaftliche Revolution ist eines der umstrittensten Ereignisse der Geschichte. Ihre Befürworter behaupten, sie habe ein neues Zeitalter von Fortschritt und Wohlstand eingeläutet. Kritiker halten dagegen, die Wende zur Landwirtschaft sei der Anfang vom Ende gewesen, denn mit ihr habe der Homo sapiens den Kontakt zu seiner natürlichen Umwelt verloren und den Weg der Gier und Entfremdung eingeschlagen. Was man auch immer von der landwirtschaftlichen Revolution halten mag – nachdem sie einmal begonnen hatte, ließ sie sich nicht wieder rückgängig machen.“

Sprachlich geschickt und zum Teil augenzwinkernd, widerlegt er gängige Meinungen in der Wissenschaft. Er räumt auf mit bekannten Sichtweisen zu unseren Errungenschaften. Er zeigt zum Beispiel, dass unser Schritt in die Sesshaftigkeit nicht der größte Fortschritt, sondern viel mehr ein Schritt in die Falle war, bedeutete er doch mehr Arbeit bei schlechterer Ernährung. Harari entkräftet auch die gängige Darstellung, wir hätten mit dem Aussterben großer Säugetiere nichts zu tun gehabt, wie in Australien vor 45.000 Jahren, sondern der Klimawandel sei Schuld daran gewesen. Er wirft immer wieder Fragen auf, die das Weiterlesen spannend machen: Wie war es wohl, anderen Menschenarten zu begegnen und warum waren wir am Ende die Überlegenen? Diese und viele andere Fragen werden glaubhaft geklärt und logisch in Zusammenhang gebracht.

Habe ich dieses Buch gelesen, bleibt mir dennoch die Frage: Was fange ich mit dem neuen Wissen an? Wenn der Autor aufzeigt, wann wir zum ersten mal in die Luxusfalle traten und warum wir nicht mehr umkehren konnten, erklärt das Vieles. Aber wir sind heute eben so, wie wir sind. Trotz unserer Errungenschaften bleiben wir so unzufrieden wie eh und je. Es lässt sich nicht ändern. Wenn Geld und Macht aus seinem Jahrtausende übergreifenden Blick als große Mythen entzaubert werden – verlieren sie deshalb für uns an Bedeutung? Nein.

Genau darum richtet Harari seinen besorgten Blick in die Zukunft. Wird das intelligente Design an die Stelle unserer natürlichen Auslese treten? Werden wir unsere Gehirne über Computer an einen Pool anschließen und wird jeder die Gedanken der anderen denken können? Oder lassen wir die Neandertaler wieder auferstehen, die uns dann schließlich überleben? Diese Vorstellungen sind so spannend wie bedenklich. Wie wird also dann das Intro von Terra X weitergehen?

ISBN: 978-3-570-55269-8

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